Klima-Briefing 25.03.2026
- Link abrufen
- X
- Andere Apps
Das Klimasystem zeigt vier verschiedene Gesichter — und alle vier sind dasselbe Gesicht.
Während Hawai'i unter seinen schlimmsten Überschwemmungen seit zwei Jahrzehnten versinkt, weitet sich im amerikanischen Westen die Dürre aus. Während England gerade seinen trockenen Sommer 2025 mit Fluten kompensiert, zeigt eine neue Grundlagenstudie, dass die Maschine dahinter schneller läuft als je zuvor gemessen. Kein Widerspruch. Ein System.
Zwei Kona-Lows innerhalb von zwei Wochen haben die hawaiianischen Inseln mit Regenmengen zwischen 50 und 100 Zentimetern überschüttet — auf bereits durchweichten Böden vom ersten Sturm. Democracy Now! Gouverneur Josh Green beziffert den Gesamtschaden auf über eine Milliarde US-Dollar. Häuser wurden von der Strömung mitgerissen, Flughäfen und ein Krankenhaus beschädigt, über 5.500 Menschen nördlich von Honolulu evakuiert, mehr als 200 gerettet. ABC News Kahului auf Maui registrierte in diesem Monat mehr als 50 Zentimeter Regen — der feuchteste Monat seit Messbeginn. Inside Climate News Heute trifft der Ausläufer des Systems die Big Island, mit weiteren 5–10 Zentimetern auf gesättigtem Boden. Der Bürgermeister von Oahua nannte es einen "Weckruf": Diese Stürme würden häufiger werden. Das ist keine Prognose mehr. Das ist Dokumentation.
Zeitgleich belegt eine neue Peer-Review-Studie von Grant Foster und Stefan Rahmstorf (Potsdam-Institut), dass sich die globale Erwärmungsrate seit etwa 2015 statistisch signifikant beschleunigt hat. IPCC Von den 1970er-Jahren bis 2015 betrug die Erwärmung rund 0,2°C pro Jahrzehnt. Seitdem liegt sie bei etwa 0,35°C — eine Beschleunigung auf fast das Doppelte. EnviroNews Das Ergebnis gilt für alle fünf untersuchten globalen Temperaturdatensätze und ist das erste Mal, dass Wissenschaftler diese Beschleunigung mit statistischer Konfidenz belegen konnten. IPCC Foster und Rahmstorf geben eine Konfidenz von 98 % an. Ipcc Der naheliegende Mechanismus: der drastische Rückgang von Schwefelaerosolen durch die IMO-2020-Schifffahrtsregel hat eine bislang maskierte Erwärmung freigelegt. Die offizielle Klimapolitik hat mit dieser Zeitlinie nie gerechnet.
NOAA meldete am 20. März, dass moderate bis extreme Dürrebedingungen über 55 Prozent der kontinentalen USA herrschen. Der Frühjahrsausblick für April bis Juni prognostiziert eine weitere Ausweitung in den Westen, den Pacific Northwest, das Great Basin und die zentralen Rockies. Wiley Online Library Der entscheidende Kontext: Die Bodenfeuchte zeigt eine strukturelle Verschiebung, kein saisonales Muster. Laut NOAA haben sich Dürren im Laufe des letzten Winters im Großen Becken, im Lower Mississippi Valley und im Südosten der USA weiter verschlimmert — trotz eines Winters mit überdurchschnittlichem Niederschlag in Teilen des Nordens. CNN 55 Prozent der Fläche ist kein Ausreißer. Es ist ein Zustand.
England zeigt indes das andere Ende des Spektrums — und beweist damit dasselbe. Nach dem trockensten Frühjahr seit 132 Jahren und dem wärmsten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen in 2025 lieferte der Winter 2026 in Teilen von Devon und Cornwall 50 aufeinanderfolgende Regentage. DPA Der Februar 2026 registrierte 170 Prozent des langjährigen Niederschlagsmittels — die Stauseen füllen sich von leer auf 95 Prozent. Euronews Die Environment Agency nennt das "Weather Whiplash". Wissenschaftlich ist dieses Phänomen klar: Kürzere Wechsel zwischen Extremen sind in den letzten Jahrzehnten um ein Drittel bis zwei Drittel häufiger geworden, längere Jahresschwingungen um bis zu ein Drittel. DPA Reservoirs auf 95 Prozent klingt gut. Gleichzeitig können kompaktierte Böden nach langer Dürre Starkregen nicht aufnehmen — der Niederschlag läuft ab, statt zu sickern. Die Erholung ist real. Die Verwundbarkeit ist es auch.
Diese vier Meldungen bilden ein kohärentes System: Beschleunigte Erwärmung erzeugt intensivere Feuchtigkeit in der Atmosphäre — mehr Regen wo es regnet, weniger wo es trocken bleibt. Kurz- und langfristig drohen in England und großen Teilen Europas häufigere Wechsel zwischen anhaltenden Trockenphasen und monatelangen Starkniederschlägen. DPA Hawai'i erlebt gerade das feuchte Ende dieses Musters, der US-Westen das trockene. Die Kaskade ist keine Metapher: Dürre erhöht die Brandgefahr und reduziert landwirtschaftliche Puffer. Flut zerstört Infrastruktur und erhöht die Krankheitslast. Beides zusammen überlastet Versicherungs- und Notfallsysteme, die für Mittelwerte gebaut wurden.
Die Foster-Rahmstorf-Studie schließt mit dem Satz, dass das Tempo der Erwärmung von unseren Emissionen abhängt. Das stimmt. Es stimmt auch, dass die globalen Treibhausgasemissionen 2025 ein neues Allzeithoch erreicht haben. Das Klimasystem läuft schneller als erwartet. Die Politik reagiert langsamer als je zuvor. Was heute in Hawai'i unter Wasser liegt, ist kein Naturereignis. Es ist ein physikalisches Systemverhalten auf veränderte Randbedingungen. Exakt das, was die Gleichungen vorhergesagt haben.
Post 1:
🌊 Hawai'i: Zwei Kona-Lows in zwei Wochen. Schlimmste Fluten
seit 20 Jahren. >230 Rettungen, Häuser weggeschwemmt, Schäden
laut Gouverneur über 1 Mrd. USD. Heute trifft der Sturm die
Big Island.
🔗 https://www.nbcnews.com/weather/floods/flood-risk-continues-hawaii-north-shore-residents-return-destroyed-hom-rcna264744Post 2:
📊 Foster & Rahmstorf (GRL 2026): Erwärmungsrate seit 2015 von
~0,2 auf ~0,35°C/Dekade gestiegen – statistisch signifikant über
alle 5 Datensätze. 1,5°C-Grenze wird bei gleichbleibendem Tempo
vor 2030 gerissen.
🔗 https://www.carbonbrief.org/pace-of-global-warming-has-nearly-doubled-since-2015-study-says/Post 3:
🌡️ NOAA Spring Outlook: 55 % der Kontinental-USA in Dürre.
Prognose April–Juni: weitere Ausweitung in Westen, Great Basin
und central Rockies. La Niña weicht – Hitze bleibt.
🔗 https://www.noaa.gov/news-release/spring-outlook-drought-forecasted-to-expand-in-us-west-parts-of-plainsPost 4:
🌿 England: Auf den trockensten Frühling seit 132 Jahren folgte
ein Winter mit 170 % Niederschlag – Stauseen von leer auf 95 %.
Die Environment Agency nennt es "Weather Whiplash". Das nächste
Extrem folgt.
🔗 https://www.gov.uk/government/news/england-recovered-from-drought-as-weather-whiplash-sees-floods- Link abrufen
- X
- Andere Apps
Kommentare
Kommentar veröffentlichen