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🔬 Jacobson #11 – Dürren

  Das Argument in einem Satz Die Atmosphäre selbst ist der neue Täter: Wärmere Luft saugt mehr Feuchtigkeit aus Böden, Flüssen und Pflanzen heraus – auch wenn die Niederschlagsmenge gleich bleibt. Ein Nature-Paper (Oxford, Juni 2025) beziffert diesen Effekt: Der atmosphärische Verdunstungsbedarf hat die globale Dürreschwere seit 1901 um durchschnittlich 40% erhöht. Gleichzeitig laufen Megadürren in Nordamerika (22+ Jahre, schlimmste in 1.200 Jahren) und Teilen Afrikas – und Flash-Dürren entstehen nun in Wochen, nicht Monaten. Status laut Top-40-Check 🔴 Aktiv eskalierend / Rekordniveau – Die Jahre 2023–2025 haben laut OECD einige der flächenmäßig ausgedehntesten und schadenintensivsten Dürren der gemessenen Geschichte gebracht. Seit 2000 haben Dürrefrequenz und -dauer global um 29% zugenommen (UN 2022). Die Dürregebiete weltweit haben sich in den letzten fünf Jahren (2018–2022) um 74% ausgedehnt – verglichen mit dem Zeitraum 1981–2017. Die Zahlen, die man kennen muss Der neu...

🔬 Jacobson #10 – Krankheiten & Pandemien

  Das Argument in einem Satz 2024 war das schlimmste Dengue-Jahr aller Zeiten – 14,4 Millionen Fälle, 12.000 Tote, 100+ Länder betroffen, in drei Jahren verfünfzehnfacht. Aber Dengue ist nur die sichtbarste Spitze: Malaria, Lyme-Borreliose, West-Nil-Virus und Cholera expandieren gleichzeitig in Regionen, in denen sie nie zuvor vorgekommen sind. Der Klimakollaps hat die globale Infektionsgeografie dauerhaft verschoben. Status laut Top-40-Check 🔴 Aktiv eskalierend / Rekordniveau – WHO-Notfallstufe 3 für Dengue (Dezember 2023). 2024: Alle sechs WHO-Regionen gleichzeitig betroffen. Dengue erstmals in Frankreich, Spanien und Italien mit lokaler Übertragung. Malaria: 249 Mio. Fälle 2022, WHO-2025-Ziel um 89% verfehlt. Lyme: Rekordtickdichte auf Long Island 2025. Die Zahlen, die man kennen muss Dengue 2024 (WHO, final): 14,4 Millionen gemeldete Fälle – Allzeitrekord, doppelt so viel wie 2023 (7 Mio.), 12-facher Anstieg seit 2014 (1,2 Mio.) Seit 2021 verdoppeln sich die Fälle je...

Intermezzo: El Niño als Jacobson-Verstärker

📡 Ausgangslage: Was die NOAA-Daten vom März 2026 zeigen NOAA CPC, Stand 12. März 2026: El-Niño-Wahrscheinlichkeit bis Oktober–Dezember 2026 bei ~83% . Vier Wochen zuvor lag derselbe Wert bei ~60%. Das ist kein gradueller Trend – das ist ein Sprung. Zum Vergleich: Die Februar-Ausgabe (issued February 2026) zeigte für SON noch ~60% El Niño. Die März-Ausgabe (issued March 2026, aktualisiert 12. März 2026) zeigt für ASO bereits ~80%, für SON ~82%, für OND ~83%. Dabei gilt: NOAA hat im Februar 2026 auf den neuen Relative Oceanic Niño Index (RONI) umgestellt, der langfristige Ozeanerwärmungstrends herausrechnet. Das bedeutet: Die jetzt angezeigten El-Niño-Wahrscheinlichkeiten sind trotz einer konservativeren Messmethode so hoch. Mit dem alten Index wären die Werte noch ausgeprägter. Daniel Swain (UCLA): Dieses Ereignis könnte 2026 bedeutend sein und sich bis 2027 hinziehen. Zeke Hausfather (Berkeley Earth): El Niño wird 2027 besonders stark wirken – "on track to probably be the w...

🔬 Jacobson #09 – Desertifikation

  Das Argument in einem Satz 77,6% der gesamten Landfläche der Erde wurde in den letzten drei Jahrzehnten trockener – gemessen, nicht projiziert. Trockengebiete bedecken heute 40,6% aller Landflächen. 2,3 Milliarden Menschen leben darin. Und es gibt keine Region der Welt, die sich in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Status laut Top-40-Check 🔴 Läuft / aktiv eskalierend – UNCCD COP16 (Dezember 2024): Größte je gemessene Ausdehnung von Trockengebieten. Kein Umkehrtrend. Kein Plateau. Die Sahara wächst um rund 48 km jährlich. Und: Es gibt keine Region der Erde, die von Trockengebiet zu feuchtem Klima wechselt. Die Zahlen, die man kennen muss Heute (gemessen, UNCCD COP16-Bericht, Dezember 2024): 77,6% der Erdlandfläche wurden in den 30 Jahren bis 2020 trockener als in den vorangegangenen 30 Jahren Trockengebiete: von 37,5% (1961–1990) auf 40,6% (1991–2020) aller Landflächen weltweit Ausdehnung: +4,3 Millionen km² in drei Jahrzehnten – eine Fläche ein Drittel größer als ...

🔬 Jacobson #08 – Entwaldung

  Das Argument in einem Satz 2024 war das schlimmste Jahr für tropischen Primärwaldverlust seit Messbeginn: 6,7 Millionen Hektar verschwanden – 18 Fußballfelder pro Minute, fast doppelt so schnell wie 2023. Zum ersten Mal war Feuer, nicht Landwirtschaft, der größte Einzeltreiber. Und der Klimawandel macht beides gleichzeitig schlimmer. Status laut Top-40-Check 🔴 Läuft / aktiv eskalierend – Neuer Rekord 2024. Um das Ziel Null-Entwaldung 2030 zu erreichen, müsste die Welt ab sofort 20% Reduktion pro Jahr erreichen. 2024 stieg die tropische Primärwaldverlustrate stattdessen um 80%. Die Zahlen, die man kennen muss 2024 (gemessen, University of Maryland GLAD Lab / Global Forest Watch, Mai 2025): 6,7 Millionen Hektar tropischer Primärwald verloren – Rekord seit Messbeginn (20+ Jahre) Fast doppelt so viel wie 2023 (3,7 Mio. ha) 18 Fußballfelder pro Minute – rund um die Uhr, jeden Tag 49,5% des Verlusts durch Feuer – 2023 waren es noch 13,3% Gesamter globaler Baumbedeckungsve...

🔬 Jacobson #07 – Ernteausfälle

  Das Argument in einem Satz 72% aller Grundnahrungsmittel der Welt werden in nur 5 Ländern angebaut. Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass mehrere dieser Brotkörbe gleichzeitig ausfallen – bis 2050 auf das 25-fache des heutigen Niveaus. Und die Modelle unterschätzen das Risiko noch. Status laut Top-40-Check 🔴 Läuft / aktiv eskalierend – Messbare Ernteverluste bereits heute. Gleichzeitige Ausfälle 2010, 2012, 2022 dokumentiert. Jedes Grad Celsius zusätzliche Erwärmung senkt die globale Nahrungsproduktion um durchschnittlich 4,4% des täglichen Pro-Kopf-Kalorienbedarfs. Die Zahlen, die man kennen muss Heute (gemessen): Globale Erträge von Gerste, Mais und Weizen sind heute bereits 4–13% niedriger als ohne Klimatrends (Stanford, PNAS) Jedes zusätzliche °C Erwärmung: −4,4 % globaler Nahrungsproduktion pro Person/Tag (Nature, Juni 2025) Mais: −8,1% projizierte globale Ertragsreduktion / Weizen: −6,2% / Reis: −3,5% (Scientific Reports, Juli 2025) 2022: Gleichzeitig...

🔬 Jacobson #06 – Korallenbleiche

  Das Argument in einem Satz Zwischen Februar 2023 und Anfang/Mitte 2025 lief das schwerste Korallenbleichereignis der Aufzeichnungsgeschichte – 84 % aller Korallenriffe der Erde waren betroffen. Es ist vorbei. Vorerst. Und NOAA musste eigens eine neue Alarmstufe 5 einführen, weil die bisherige Skala nicht mehr ausreichte. Status laut Top-40-Check 🔴 Läuft / aktiv eskalierend – Das vierte globale Bleichereignis (2023–2025) ist das schwerste der Aufzeichnungsgeschichte und klang im Laufe von 2025 ab. Aber: Das Große Barriereriff erlebte 2025 sein sechstes Bleichereignis seit 2016 – das zweite in Folge. Das Muster eskaliert weiter, auch wenn das einzelne Ereignis endet. Was gerade passiert – eine laufende Katastrophe Das vierte globale Korallenbleichereignis (GCBE4) wurde am 15. April 2024 von NOAA und der International Coral Reef Initiative offiziell bestätigt. Es hatte im Februar 2023 begonnen. Zahlen (Stand November 2025, NOAA Coral Reef Watch): 84,4 % der weltweiten K...

🔬 Jacobson #05 – Klimaflüchtlinge & Migration

  Das Argument in einem Satz 83,4 Millionen Menschen lebten Ende 2024 in interner Vertreibung – mehr als doppelt so viele wie noch 2018. Klimawandel ist nicht der einzige Treiber, aber er ist der Multiplikator, der alle anderen Krisen verstärkt. Und es gibt kein Gesetz, das Klimaflüchtlinge schützt. Status laut Top-40-Check 🔴 Läuft / aktiv eskalierend – Jedes Jahr neue Rekorde. 2024 war das schlimmste Jahr für Katastrophenvertreibungen seit Messbeginn. Die Projektionen für 2050 beginnen sich als Unterschätzungen zu erweisen. Die Zahlen, die man kennen muss Heute (gemessen, IDMC GRID 2025 – veröffentlicht Mai 2025): 83,4 Millionen Menschen lebten Ende 2024 in interner Vertreibung – Allzeithoch Mehr als doppelt so viele wie nur sechs Jahre zuvor (2018) Entspricht der Bevölkerung Deutschlands. Komplett. Vertrieben. 73,5 Millionen durch Konflikt und Gewalt (90% des Totals) 9,8 Millionen durch Katastrophen – +29% gegenüber dem Vorjahr, mehr als doppelt so viele wie vor fün...

🔬 Jacobson #04 – Bienen & Bestäubungsverlust

  Das Argument in einem Satz 62% aller kommerziellen Bienenkolonien in den USA sind zwischen Sommer 2024 und Frühjahr 2025 gestorben – das schwerste Bienensterben seit Messbeginn. Aber das eigentliche Problem ist nicht die Honigbiene. Es sind die 20.000 Wildbienenarten, die niemand zählt. Status laut Top-40-Check 🔴 Läuft / aktiv eskalierend – Rekordverluste 2024/25 in den USA. Wildbienenrückgang weltweit belegt. Klimawandel verschiebt Blütezeiten und Lebensräume schneller als Bienen folgen können. Die Zahlen, die man kennen muss USA 2024/2025 – akute Krise: 62 % Kolonieverluste zwischen Juni 2024 und März 2025 (Project Apis M. / USDA) 1,7 Millionen Kolonien gestorben – eines der schwersten Pollinator-Massensterben der Geschichte Wirtschaftlicher Schaden: mind. 600 Mio. USD (verlorene Bestäubungseinnahmen + Honigproduktion + Kolonie-Ersatz) Allein Mandelanbau in Kalifornien: 428 Mio. USD Schäden Einige Betriebe meldeten 100 % Kolonieverlust Typische jährliche Verluste...